Überblick

 

Hito-, Koto- und Monozukuri sind drei japanische Lean-Philosophien, die eng miteinander verbunden sind. Sie beschreiben das Streben nach stetiger Mitarbeiterentwicklung, nach einer gemeinsamen „Erzählung“, die starkes Engagement fördert, sowie nach produktiver Perfektion, so dass im Unternehmen eine Kultur des Lernens, des Engagements und der Exzellenz etabliert wird.

Bei der Umsetzung von Operational Excellence-Ansätzen (z. B. Lean Management) in Unternehmen der produzierenden Industrie treten zu Beginn verschiedene Probleme auf. So ist das Engagement der Mitarbeiter für selbstständige Optimierungen häufig gering. Das Unternehmen und seine Produkte sind in vielen Fällen „gesichtslos“ und bleiben nicht im Gedächtnis. Schließlich erfüllen die Prozesse die Anforderungen der Kunden oftmals nur unzureichend. Neben dieser fehlenden Effektivität mangelt es den Prozessen auch an Effizienz.

Hitozukuri (das Formen von Menschen) steht für das Streben nach stetiger Mitarbeiterentwicklung. Es umfasst die Förderung und Entwicklung der Menschen, die die Produkte und/oder Dienstleistungen herstellen. Dadurch wird die Motivation der Mitarbeiter angesprochen.

Kotozukuri (das Geschehenlassen von Dingen) ist die Schaffung von identitätsstiftenden Geschichten und Erfahrungen. Es geht darum, durch Wissensgenerierung und das Erschließen von Wertschöpfung die Bedürfnisse der Kunden zu verstehen und zu erfüllen, um gegenüber den Kunden die Werte und den Geist des Unternehmens greifbar und mitreißend vermitteln zu können.

Monozukuri (das Herstellen von Dingen mit Exzellenz) beschreibt die Kunst und das Handwerk der Produktion, das Streben nach Perfektion, die Leidenschaft für die Arbeit und die Herstellung von Produkten mit hoher Qualität, Geschicklichkeit und Stolz.

Diese drei Konzepte sind keine isolierten Ideen, sondern bilden eine Einheit. Monozukuri kann ohne Hitozukuri nicht und ohne Kotozukuri nur mit deutlich mehr Aufwand erreicht werden.

 

Konzept

 

Lean Management, das ursprünglich auf Prinzipien des Toyota Production System (TPS) beruht, zielt auf die kontinuierliche Verbesserung, die Vermeidung von Verschwendung und die Schaffung von Mehrwert für den Kunden. Die Integration von Hitozukuri, Kotozukuri und Monozukuri bietet hier einen ganzheitlichen Ansatz, der nicht nur die Prozesse (also den Output), sondern auch Menschen und Werte (also maßgebliche Einflussgrößen für die Qualität des Outputs) in den Mittelpunkt stellt.

Hitozukuri betont die Bedeutung der Menschen im Unternehmen. Es geht um Ausbildung, Befähigung und kontinuierliche persönliche wie berufliche Weiterentwicklung. In einem Lean-Umfeld bedeutet das: Mitarbeiter werden nicht nur als Ausführende betrachtet, sondern als zentrale Treiber von Verbesserung und Innovation. Führungskräfte fungieren als Mentoren und Coaches, die ein Umfeld des Lernens und Vertrauens schaffen.

Im Fokus stehen dabei sowohl die Kompetenzen als auch das Engagement. Dies geschieht z. B. durch das Etablieren klarer Karrierepfade und Entwicklungsmöglichkeiten. Dabei ist es wichtig, dass Strukturen (z. B. Skill-Matrizen) aufgebaut werden, um die Mitarbeiterentwicklung nachzuverfolgen. Hier muss der Fehler vermieden werden, das Augenmerk nur auf die Fähigkeiten zu legen, aber die Situation im Hinblick auf das Engagement nicht zu tracken.

Beim Kotozukuri, der bewussten Definition und Implementierung einer identitätsstiftenden Erzählung, stehen die Werte und der Geist des Unternehmens im Mittelpunkt. Es konzentriert sich auf Kreativität, Konzeptentwicklung und die Erzeugung immaterieller Werte. Dabei geht um das „Warum“ hinter Produkten und Prozessen – um Vision, Kundennutzen und neue Geschäftsmodelle. Für Lean Management bedeutet Kotozukuri, nicht nur Bestehendes zu optimieren, sondern auch innovativ und strategisch vorauszudenken.

Durch Ausbildung der Mitarbeiter in Storytelling-Methoden oder durch die Ernennung von Multiplikatoren, welche die Erzählung aktiv bewerben, wird eine greifbare und mitreißende Vermittlung der Geschichte gegenüber Firmenangehörigen und externen Kunden möglich. Als Fallstrick kann dabei wirken, dass offensichtliche Abweichungen von vereinbarten Werten ignoriert werden, statt ihnen mit konsequenten Gegenmaßnahmen zu begegnen. Das Fehlen von Konsequenzen untergräbt die Glaubwürdigkeit der geschaffenen Erzählung.

Hito- und Kotozukuri wirken somit als Treiber für das Praktizieren von Monozukuri, das Exzellenz in den angebotenen Produkten und Dienstleistungen sowie in den dahinterliegenden Kern-, Management- und Unterstützungsprozessen zum Ziel hat. Methodische Orientierung geben dabei die Säulen des Lean Management. Hier muss darauf geachtet werden, dass ganzheitlich optimiert wird, anstatt Perfektionismus in Teilbereichen zu betreiben.

 

Mehrwert

 

Die Verbindung von Hitozukuri, Kotozukuri und Monozukuri führt zu einem ganzheitlichen Lean-Verständnis, das weit über die bloße Prozessoptimierung hinausgeht:

  • Mitarbeiterzentrierung: Hitozukuri entwickelt engagierte, qualifizierte Teams mit befähigten Mitarbeitern, die Herausforderungen selbstständig lösen und so aktiv zur kontinuierlichen Verbesserung beitragen – ein Schlüsselfaktor für die Lean-Kultur.
  • Leidenschaft bei Mitarbeitern und Kunden: Kotozukuri ermöglicht es Unternehmen und auch ihren Kunden, vor dem Hintergrund einer sinnstiftenden Erzählung nicht nur besser, sondern auch anders zu denken – ein entscheidender Wettbewerbsvorteil im Hinblick auf die notwendige Innovationsfähigkeit in dynamischen Märkten.
  • Nachhaltige Exzellenz: Durch Monozukuri wird eine Haltung – ein Mindset – erzeugt, bei der die kontinuierliche Verbesserung von Produkten, Prozessen und Produktionssystemen im Mittelpunkt steht. Es stellt sicher, dass die Prozesse mit höchster Effizienz ablaufen und somit Produkte und Dienstleistungen erzeugt werden, die sich durch hohe Qualität auszeichnen.

Durch die bewusste Integration dieser drei Prinzipien schafft Lean Management eine lernende Organisation, die sowohl operative Exzellenz als auch langfristige Innovationskraft vereint. Unternehmen, die Hitozukuri, Kotozukuri und Monozukuri ganzheitlich leben, sind besser gerüstet für die notwendigen Veränderungen, denen sich Unternehmen im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung, des demografischen Wandels sowie der global instabiler werdenden wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen gegenübersehen.