Überblick
Das EFQM-Modell ist ein global anerkannter, strategischer Managementrahmen, der Organisationen dabei unterstützt, Veränderungen zu steuern, ihre Leistungsfähigkeit zu verbessern und nachhaltigen Erfolg zu sichern. Es bietet eine ganzheitliche Sicht auf die Organisation und hilft dabei, Stärken und Verbesserungspotenziale systematisch zu identifizieren. Das Modell ist kein starres Regelwerk, sondern ein flexibler Leitfaden, der an die spezifischen Bedürfnisse und den Kontext jeder Organisation angepasst werden kann.
Das Hauptziel des EFQM-Modells ist die Förderung von „Business Excellence“, also die Fähigkeit einer Organisation, herausragende und nachhaltige Ergebnisse für alle ihre Interessengruppen zu erzielen. Es unterstützt Organisationen dabei, ihre eigene Vision und Strategie zu entwickeln und diese konsequent in allen Bereichen umzusetzen. Ferner fördert es eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung und des Lernens.
Das Modell wurde ursprünglich 1989 von der European Foundation for Quality Management (EFQM) ins Leben gerufen und hat sich seitdem kontinuierlich weiterentwickelt. Die jüngste grundlegende Überarbeitung im Jahr 2020 hat den Fokus stärker auf aktuelle Herausforderungen wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit und die Bewältigung von Transformationen gelegt. Es grenzt sich von normativen Managementsystemen wie der ISO 9001 dadurch ab, dass es nicht auf die Zertifizierung von Konformität abzielt, sondern auf eine umfassende, bewertungsorientierte Weiterentwicklung der gesamten Organisation.
Konzept
Das EFQM-Modell 2020 basiert auf einer klaren Struktur, die sich an den drei zentralen Fragen jeder Organisation orientiert: „Warum?“, „Wie?“ und „Was?“. Diese Fragen werden in den drei Hauptbereichen Ausrichtung (Direction), Realisierung (Execution) und Ergebnisse (Results) abgebildet. Diese Bereiche sind in insgesamt sieben Kriterien unterteilt, die wiederum durch eine Reihe von Leitsätzen konkretisiert werden.
1. Ausrichtung (Direction): Dieser Bereich beantwortet die Frage nach dem „Warum“. Er umfasst die Kriterien, die sich mit dem Zweck, der Vision und der Strategie der Organisation sowie mit ihrer Führung und Kultur befassen.
Kriterium 1: Zweck, Vision und Strategie: Hier wird bewertet, wie eine Organisation ihren Zweck definiert, eine an den Bedürfnissen der Interessengruppen ausgerichtete Vision entwickelt und eine darauf aufbauende, umsetzbare Strategie gestaltet.
Kriterium 2: Organisationskultur und Führung: Dieses Kriterium beleuchtet, wie die Führungskräfte die Organisation auf allen Ebenen steuern und eine Kultur der Exzellenz, des Wandels und der Innovation fördern.
2. Realisierung (Execution): Dieser Bereich fokussiert auf das „Wie“. Er beschreibt, wie die Organisation ihre Strategie in die Tat umsetzt, um nachhaltigen Wert für ihre Interessengruppen zu schaffen.
Kriterium 3: Interessengruppen einbinden: Hier geht es darum, wie die Organisation die Bedürfnisse und Erwartungen ihrer relevanten Interessengruppen (Kunden, Mitarbeiter, Gesellschaft, Partner etc.) identifiziert, versteht und darauf eingeht.
Kriterium 4: Nachhaltigen Nutzen schaffen: Im Mittelpunkt steht der gesamte Wertschöpfungsprozess – von der Entwicklung über die Produktion bis hin zur Lieferung von Produkten und Dienstleistungen, die den Kunden einen nachhaltigen Nutzen bieten.
Kriterium 5: Leistungsfähigkeit und Transformation steuern: Dieses Kriterium bewertet, wie die Organisation ihre operative Leistungsfähigkeit sicherstellt, Risiken managt und gleichzeitig den Wandel vorantreibt, um zukunftsfähig zu bleiben.
3. Ergebnisse (Results): Dieser Bereich zeigt das „Was“ – die erzielten Resultate der Organisation.
Kriterium 6: Wahrnehmungen der Interessengruppen: Hier werden die Rückmeldungen und die Zufriedenheit der verschiedenen Interessengruppen gemessen und analysiert.
Kriterium 7: Strategie- und leistungsbezogene Ergebnisse: Dieses Kriterium misst die Erreichung der strategischen und operativen Ziele der Organisation anhand von relevanten Kennzahlen.
Ein zentrales Element des Modells ist die RADAR-Logik, ein Diagnose- und Bewertungswerkzeug. RADAR steht für Results (Ergebnisse festlegen), Approach (Vorgehen planen), Deployment (Vorgehen umsetzen), Assess and Refine (Vorgehen und Umsetzung bewerten und verfeinern). Diese Logik wird angewendet, um die Reife und Wirksamkeit der Vorgehensweisen in den Bereichen Ausrichtung und Realisierung zu bewerten und deren Verknüpfung mit den erzielten Ergebnissen herzustellen.
Mehrwert
Die Anwendung des EFQM-Modells bietet Unternehmen, insbesondere in der produzierenden Industrie, einen erheblichen Mehrwert. Es dient als Kompass für die Organisationsentwicklung und ermöglicht eine strukturierte Selbstbewertung, die weit über die reine Prozesskonformität hinausgeht.
Ein wesentlicher Nutzen liegt in der ganzheitlichen Perspektive. Das Modell zwingt eine Organisation dazu, sich nicht nur auf einzelne Aspekte wie Produktionseffizienz oder Produktqualität zu konzentrieren, sondern das Zusammenspiel aller Elemente – von der Strategie über die Kultur bis zu den Ergebnissen bei allen Interessengruppen – zu betrachten. Dies fördert das systemische Denken und hilft, Silos aufzubrechen.
Darüber hinaus unterstützt das Modell die strategische Ausrichtung und Transformation. In einer Zeit, in der sich Märkte und Technologien rasant wandeln, bietet der Rahmen eine Struktur, um Veränderungsprozesse wie die digitale Transformation oder die Neuausrichtung auf nachhaltige Produktionsweisen systematisch zu planen, umzusetzen und zu steuern. Die klare Verknüpfung von Vorgehensweisen und Ergebnissen schafft Transparenz über die Wirksamkeit von Initiativen.
Insbesondere für die produzierende Industrie ist die Anschlussfähigkeit an bestehende Managementsysteme und Methoden wie Lean Management, Six Sigma oder Industrie 4.0 von großer Bedeutung. Das EFQM-Modell integriert diese Ansätze in einen übergeordneten strategischen Kontext und hilft dabei, deren Beitrag zum Gesamterfolg der Organisation sichtbar zu machen. Es schafft eine gemeinsame Sprache für Exzellenz und fördert den Austausch von Best Practices, sowohl intern als auch extern im Rahmen von Benchmarking-Initiativen. Die Teilnahme an EFQM-Assessments und Anerkennungsprogrammen kann zudem die Reputation und Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens stärken.