Überblick
Das Benefit Game ist eine Workshop-Methode, die spielerische Elemente (Gamification) mit der Technik des Benefit Mappings verbindet, um eine Unternehmensvision zu konkretisieren und messbar zu machen. Es handelt sich nicht um eine starre, standardisierte Methode, sondern um ein flexibles Format, das verschiedene Ansätze kombiniert.
Ziel des Benefit Games ist es, aus einer oft abstrakten Vision die wichtigsten und messbarsten Nutzenaspekte (Benefits) für verschiedene Anspruchsgruppen wie Kunden, Mitarbeiter und das Unternehmen selbst abzuleiten. Durch die spielerische Herangehensweise werden die Teilnehmer motiviert, kreativ zu denken, Prioritäten zu setzen und ein gemeinsames Verständnis für die strategische Ausrichtung zu entwickeln.
Das Benefit Game ist im Kontext der strategischen Unternehmensführung und der agilen Produktentwicklung angesiedelt. Es greift auf etablierte Methoden wie „Gamestorming“, „Innovation Games“ (z.B. „Buy a Feature“) und Amazons „Working Backwards“-Ansatz zurück, um eine klare Verbindung zwischen der übergeordneten Vision und den konkreten, wertschaffenden Maßnahmen herzustellen.
Konzept
Das Benefit Game wird typischerweise in einem halbtägigen Workshop mit einem interdisziplinären Team aus acht bis 15 Personen durchgeführt. Der Prozess ist in mehrere Phasen unterteilt, die darauf abzielen, die Vision schrittweise zu operationalisieren.

- Visionsschärfung: Zu Beginn wird die Vision des Unternehmens geschärft. Eine bewährte Methode hierfür ist die „Press Release from the Future“, bei der die Teilnehmer eine Pressemitteilung aus der Zukunft verfassen, als wäre die Vision bereits erfolgreich umgesetzt. Dies hilft, den Fokus auf den Kundennutzen und die wesentlichen Erfolgsfaktoren zu legen.
- Stakeholder-Analyse: Im nächsten Schritt werden die relevanten Stakeholder (z.B. Kunden, Mitarbeiter, Partner) identifiziert und deren Bedürfnisse und Erwartungen analysiert. Methoden wie die „Empathy Map“ helfen dabei, ein tieferes Verständnis für die Perspektiven der verschiedenen Gruppen zu entwickeln und Nutzenhypothesen zu formulieren.
- Benefit-Storming: Basierend auf der geschärften Vision und der Stakeholder-Analyse sammelt das Team in einem Brainstorming alle denkbaren Nutzenaspekte. Diese „Benefits“ können sich auf unterschiedliche Bereiche beziehen, wie z.B. finanzielle Vorteile, Verbesserungen der Kundenzufriedenheit, Steigerung der Mitarbeitermotivation oder positive Auswirkungen auf die Umwelt (ESG).
- Benefit-Auktion: In dieser Phase kommt der spielerische Charakter des Benefit Games am deutlichsten zum Tragen. Die Teilnehmer erhalten ein fiktives Budget, mit dem sie auf die zuvor gesammelten Benefits „bieten“ können. Diese „Auktion“, inspiriert von der Methode „Buy a Feature“, zwingt die Teilnehmer zu einer Priorisierung und fördert die Diskussion über den relativen Wert der einzelnen Nutzenaspekte. Das Ergebnis ist eine von der Gruppe getragene Rangliste der wichtigsten Benefits.
- Benefits-Map erstellen: Die priorisierten Benefits werden anschließend in eine „Benefits Map“ überführt. Diese visuelle Darstellung zeigt die logische Wirkungskette von den strategischen Zielen (rechts) über die angestrebten Benefits und die dafür notwendigen organisatorischen Veränderungen bis hin zu den konkreten Lieferobjekten und Maßnahmen (links). Für jeden Benefit werden zudem Messgrößen (KPIs) und verantwortliche „Benefit Owner“ festgelegt.
- Verdichtung und nächste Schritte: Zum Abschluss des Workshops werden die Ergebnisse zusammengefasst, die Top-Benefits mit ihren KPIs und Verantwortlichkeiten festgehalten und die nächsten konkreten Schritte zur Umsetzung definiert.
Mehrwert
Der Einsatz des Benefit Games in der Visionsarbeit bietet Unternehmen eine Reihe von Vorteilen. Durch die Kombination von analytischen und spielerischen Elementen wird ein hochgradig interaktiver und motivierender Rahmen geschaffen, der die kollektive Intelligenz des Teams nutzt.

Der größte Mehrwert liegt in der Übersetzung einer abstrakten Vision in eine konkrete, handlungsorientierte und messbare Strategie. Die Methode stellt sicher, dass der Kundennutzen konsequent im Mittelpunkt aller Überlegungen steht und verhindert, dass sich Unternehmen in technologischen Lösungen verlieren, die keinen klaren Wertbeitrag leisten.
Die spielerische Priorisierung in der „Benefit-Auktion“ führt zu echten und von allen getragenen Entscheidungen, anstatt einer langen Liste von „wichtigen“ Zielen. Die visuelle Aufbereitung in der Benefits Map schafft Transparenz und ein gemeinsames Verständnis für die strategische Logik. Sie dient als Kommunikationsinstrument und als Grundlage für die Steuerung der Umsetzung.
Durch die klare Zuordnung von Verantwortlichkeiten und die Definition von Kennzahlen wird die Erfolgskontrolle erleichtert und die Verbindlichkeit erhöht. Das Benefit Game fördert somit nicht nur die Entwicklung einer tragfähigen Vision, sondern legt auch den Grundstein für deren erfolgreiche Realisierung.