Übersicht

 

Im Total Productive Management (TPM) liegt der Fokus auf der Identifikation und Reduzierung von Verlusten, die in Produktionsprozessen auftreten. Durch die Minimierung dieser Verluste wird die Effizienz der Produktion gesteigert und die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens langfristig gesichert. Die 16 Verlustarten im TPM decken dabei verschiedene Ursachen von Ineffizienzen ab, von technischen Problemen wie Maschinenausfällen bis hin zu organisatorischen Mängeln wie schlechter Kommunikation. Unternehmen, die diese Verlustarten gezielt angehen, können Produktionskosten senken und die Produktqualität steigern. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der aktiven Einbindung aller Mitarbeiter in den kontinuierlichen Verbesserungsprozess.

 

 

Konzept

 

Die 16 Verlustarten im TPM bieten einen klaren Rahmen, um systematisch alle Formen von Verschwendung im Produktionsprozess zu erkennen und nachhaltig zu reduzieren. Sie lassen sich in drei Kategorien untergliedern: „Maschinen und Anlagen“, „Mitarbeiter“ und „Ressourcen“. Innerhalb der 16 Verlustarten im TPM finden sich auch die 7 Arten der Verschwendung (TIMWOOD) aus dem Toyota-Produktionssystem wieder.

 

 

Maschinen und Anlagen

 

Die ersten acht Verlustarten des TPM sind die Hauptverlustarten. Diese sind auf die Kategorie Maschinen und Anlagen zurückzuführen und werden vor allem durch Kaizen-Maßnahmen an Produktionsanlagen in der Overall Equipment Effectiveness (OEE) sichtbar und messbar:

  1. Anlagenausfälle:
    Unerwartete Maschinenstillstände durch technische Defekte oder Störungen führen zu Produktionsunterbrechungen.
  2. Instandsetzung bzw. Umrüstung:
    Zeitverluste entstehen beim Umbau oder Einstellen der Anlage auf ein anderes Produkt oder Format.
  3. Werkzeugwechsel:
    Der Austausch abgenutzter oder spezialisierter Werkzeuge verursacht Stillstand und senkt die Anlagenverfügbarkeit.
  4. Anfahrverluste:
    In der Hochlaufphase nach Stillstand oder Produktwechsel treten häufig Qualitäts- oder Taktabweichungen auf.
  5. Vorübergehende Stillstände (Materialabriss):
    Kurzzeitige Unterbrechungen durch kleine Störungen, Materialmangel oder Bedienfehler mindern die Effizienz.
  6. Geschwindigkeitsverluste:
    Die Anlage läuft unter der Soll-Geschwindigkeit, etwa durch Materialprobleme oder unzureichende Wartung.
  7. Ausschuss bzw. Nacharbeit:
    Fehlerhafte Produkte müssen nachbearbeitet oder verworfen werden, was Zeit und Material kostet.
  8. Planmäßige Stillstände:
    Geplante Unterbrechungen, z. B. für Wartung, Reinigung oder Pausen, reduzieren die verfügbare Produktionszeit.

 

Mitarbeiter

Die Effizienzverluste in der Kategorie Mitarbeiter gehen zum Großteil auf die klassischen Verschwendungsarten (TIMWOOD) nach Muda zurück:

  1. Management-Verluste:
    Unklare Anweisungen, mangelhafte Planung oder fehlende Prioritäten führen zu Leerlauf und Ineffizienz.
  2. Bewegung:
    Unnötige Wege oder Handgriffe der Mitarbeiter entstehen durch schlechte Arbeitsplatzgestaltung.
  3. Ineffiziente Linienorganisation:
    Ungleichmäßige Arbeitsverteilung oder fehlende Abstimmung zwischen Stationen verursacht Wartezeiten und Engpässe.
  4. Logistikverluste:
    Verzögerungen beim Materialfluss oder fehlendes Material am Arbeitsplatz führen zu Produktionsunterbrechungen.
  5. Messen und Einstellen:
    Häufiges Prüfen, Justieren oder Nachstellen von Anlagen bindet Arbeitszeit und reduziert die Produktivität.

 

Ressourcen

Die Verbesserungspotentiale im Bereich der Ressourcen sind für eine möglichst verlustfreie Organisation nicht außer Acht zu lassen:

  1. Ausbeuteverluste:
    Ausbeuteverluste entstehen durch ineffiziente Materialnutzung, z. B. übermäßigen Verschnitt oder nicht verwertbare Reste.
  2. Energieverluste:
    Unnötiger Verbrauch von Strom, Druckluft oder Wärme durch Leerlaufzeiten oder veraltete Anlagen mindert die Effizienz.
  3. Änderungen von Formen und Werkzeugen:
    Anpassungen oder Wechsel von Formen und Werkzeugen führen zu Material- und Zeitverlusten während der Umstellungsphase.

 

Die Untersuchung auf die 16 Verlustarten im Rahmen des TPM erfolgt in mehreren strukturierten Schritten. Zu Beginn werden alle relevanten Prozesse entlang der Wertschöpfungskette analysiert, um mögliche Verluste sichtbar zu machen und den drei Kategorien „Maschinen und Anlagen“, „Mitarbeiter“ und „Ressourcen“ zuzuordnen. Dabei werden sowohl quantitative Daten, wie z. B. Stillstandszeiten, Ausschussraten oder der Energieverbrauch, als auch qualitative Beobachtungen der Mitarbeiter einbezogen.

 

Die identifizierten Verluste werden im nächsten Schritt anhand der OEE bewertet, um ihre Auswirkungen auf Verfügbarkeit, Leistung und Qualität messbar zu machen. So lassen sich die größten Verlustquellen gezielt priorisieren.

 

In interdisziplinären Teams lassen sich anschließend konkrete Kaizen-Maßnahmen entwickeln und umsetzen, sodass die Ursachen der Verluste nachhaltig beseitigt werden können. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist dabei die Einbindung der Mitarbeiter in den kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Durch regelmäßige Schulungen, Shopfloor-Meetings und strukturierte Problemlösungsmethoden, wie z. B. „5-Why“ oder „Ishikawa-Diagramme“, wird das Bewusstsein für Verschwendung geschärft und eine Kultur des eigenverantwortlichen Handelns gefördert.

 

Mehrwert

 

Die Reduzierung dieser Verluste im Rahmen von TPM steigert nicht nur die Effizienz, sondern senkt auch die Produktionskosten und verbessert die Qualität. Unternehmen können ihre Produktionsressourcen besser auslasten, Ausfallzeiten minimieren und die Mitarbeiterzufriedenheit steigern, indem sie in kontinuierliche Schulung und Beteiligung am Verbesserungsprozess investieren.

Dadurch erhalten sie eine höhere Lieferzuverlässigkeit, konstante Produktqualität und kürzere Lieferzeiten. Durch stabile Prozesse und präventive Instandhaltung sinkt die Fehlerquote, was zusätzlich eine bessere Kundenerfahrung und höhere Zufriedenheit zur Folge hat.

Langfristig führt die Analyse der 16 Verlustarten durch anschließend zielgerichteter Verbesserungsmaßnahmen zu einer nachhaltigen Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und ermöglicht Unternehmen eine bessere Position im Markt.