Alle scheinen sich momentan mit der Zukunft zu beschäftigen. Jedes größere Medium berichtet über eine gefühlte Aufbruchstimmung. Doch uns begegnet im deutschen Mittelstand häufiger das Gegenteil. Beharrlich und teils doktrinär ruhen sich viele Unternehmen auf dem Erreichten aus und setzen auf ein „weiter wie bisher“. Und viele sind damit sehr erfolgreich durch die letzten Jahrzehnte gekommen. Doch die Transformation der Wirtschaft macht nirgends Halt, auch nicht vor der deutschen Provinz. Schauen wir uns um, erkennen wir deutliche (Um-)Brüche in den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Dafür lassen sich beispielsweise Megatrends betrachten. Mit ihnen verweist das Zukunftsinstitut regelmäßig auf gesellschaftlichen Wandel, der – mal beschleunigt durch Technik und Digitalisierung, mal aus dem zunehmenden Bedürfnis nach Individualisierung heraus – die Prämissen für wirtschaftliches Handeln ändert.

Die Pandemie hat Unternehmen gezwungen, sich in einem neuen Tempo zu wandeln

Die Corona-Pandemie wirkt hierbei wie ein Beschleuniger auf die Veränderung von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Wir beobachten im Arbeitsleben und im gesellschaftlichen Miteinander einen Grad an Digitalisierung und eine Verschiebung ins Virtuelle, welche noch vor zwei Jahren nur für die wenigsten denkbar waren. Hier hat ein Ereignis von außen Unternehmen gezwungen, sich in einem Tempo zu wandeln, von dem viele selbst erstaunt sind. Auch abgesehen von Singularitäten wie der Pandemie ist der Shift zu Industrie 4.0, Vernetzung und einem ungeahnten Ausmaß an Automatisierung ein Faktum, das noch nicht schnell genug angegangen wird. Nicht von Unternehmen und nicht von staatlichen Akteuren.

Uns hat vor einigen Monaten ein Impuls des Weltwirtschaftsforums einen Aha-Moment beschert. Denn er hat klargemacht, dass wir alle in Sachen Transformation noch lange nicht genug tun – wir als Gesellschaft und die Unternehmen als Teil ihrer brauchen eine deutlich erhöhte Transformationsgeschwindigkeit! Der Beitrag des World Economic Forum schlussfolgert aus vielen Analysen: Bis 2025 muss die Hälfte aller Beschäftigten weltweit (!) neue Kompetenzen erlernen, um in der sich wandelnden Arbeitswelt bestehen zu können.

Gesellschaft und Unternehmen brauchen eine deutlich erhöhte Transformationsgeschwindigkeit!

Wichtiger denn je: Methodenkompetenz, die eine Anpassung an sich ändernde Rahmenbedingungen ermöglicht. Firmen brauchen keine hochspezialisierten Facharbeiter, deren Wissen bald überholt sein wird. Sie brauchen Mitarbeiter, die mit Methoden und Kreativität neue Herausforderungen angehen und Probleme in sich wandelnden Geschäftsfeldern angehen können.

Das lässt sich nicht auf persönliche Weiterbildung abwälzen, nach dem Motto „soll halt jeder sehen …“. Vielmehr sind Unternehmen als Ganzes gefragt, das Thema aufzugreifen und ihre Mitarbeiter bei der Entwicklung mitzunehmen. Sie müssen den Zugang zum Erlernen dieser notwendigen Skills verschaffen und sie müssen sich selbst wandeln! Hin zur lernenden Organisation, die sich ständig selbst verbessert und anpasst. Unternehmen, die mit einer aktiven Transformation den Weg zu einer wirksamen Anpassungsfähigkeit erreichen, werden es in Zukunft deutlich leichter haben. Sie können sich auf die Herausforderungen des technischen Wandels und der umfassenden Konnektivität schneller, flexibler und ohne große Reibungsverluste einstellen. Nur mit Transformation haben sie eine Chance im Wettbewerb.

Neue Chancen im Wettbewerb durch aktive Transformation

Unserer Erfahrung nach ist die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland noch lange nicht an diesem Punkt angelangt. Es herrschen Over-Engineering und German Angst oder ein Verherrlichen des Status quo vor. Dabei ist Behäbigkeit völlig fehl am Platz! Nach den Aussagen des Weltwirtschaftsforums könnten bis 2025 circa 85 Millionen Jobs verloren gehen, weil die Aufgaben Maschinen übernehmen. Das träte in weniger als vier Jahren ein!

Warum sollte das die Unternehmen alarmieren? Worin besteht nun die dringende Aufgabe, die Unternehmen angehen müssen? Ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit sichern, indem sie ihre Beschäftigten nicht verlieren. Sondern ihnen die Möglichkeit bieten, die neuen Jobs, die aus dem veränderten Zusammenspiel von Mensch, Maschine und der Digitalisierung entstehen, ausüben zu können. Um von den beschriebenen Synergien zu profitieren, müssen Mitarbeiter für das Unternehmen als wichtige Ressource weiterhin erhalten bleiben. Nicht mehr am Fließband, sondern in wichtigen koordinierenden und gestaltenden Rollen. Sonst ist auch ein Wandel der Organisationsstrukturen und eine Anpassung der Geschäftsfelder nicht möglich. Deshalb ist es eine gebotene unternehmerische Verantwortung, Weiterbildung zu ermöglichen. Neues Wissen, neue Fertigkeiten und neue Arbeitsweisen sind wichtig für die gesamte Organisation. Und ohne sie verschläft ein Unternehmen die Zukunft.

Die neue unternehmerische Verantwortung: Weiterbildung der Mitarbeiter und das Erlernen von Methodenkompetenz

Methodenkompetenzen sind der Schlüssel für eine andauernde Anpassungsfähigkeit – davon sind wir überzeugt. Sie sind vor dem Hintergrund der Transformationsnotwendigkeit entscheidender denn je für den Erfolg von Unternehmen. Sie ermöglichen stetige Veränderung und Verbesserungen, die am einzelnen Arbeitsplatz ebensolche positiven Effekte haben wie auf die Organisation in ihrer Summe. Was Beschäftigte und Unternehmen gleichermaßen brauchen, ist die Fähigkeit, kritisch zu denken und Probleme auf neue und kluge Weisen zu lösen. Reflexionsfähigkeit wird dadurch immanent wichtig. Mindestens ebenso wichtig wird es, Prozesse zu beleuchten und neu zu denken.

Wir brauchen neue Führungsansätze, die Kaizen leben

Die Rollen der einzelnen Mitarbeiter wandeln sich. Weg vom passiven Befehlsempfänger hin zum aktiven Impulsgeber. Mit allem, was dazugehört: Zeitmanagement, die Planung der eigenen Kapazitäten und die Abstimmung mit anderen Organisationsmitgliedern. Hier braucht es völlig neue Führungsansätze, die Kaizen leben: die Förderung kritischen Denkens, des Hinterfragens, des Bessermachens. Crossfunktionales Denken und das Ermöglichen von Kreativräumen. Und nicht zuletzt eine aktive Sinnvermittlung und eine emotionale Führung. Diese geben den Mitarbeitern beim Wandel die nötige Sicherheit und bieten Raum zum Ausprobieren und Fehlermachen. Denn ohne eine gesunde Fehlerkultur im Unternehmen ersticken die Ansätze einer agilen Organisation im Keim.

Die großen Shifts nehmen keine Rücksicht und sie warten nicht auf die Zögerlichen

Wir müssen Fahrt aufnehmen – jetzt! Denn der Wandel hat sich derart beschleunigt, dass die neuen Kompetenzen innerhalb kürzester Zeit erlangt sein müssen. Das Weltwirtschaftsforum geht davon aus, dass die Transformation bis 2025 abgeschlossen sein muss. Bereits heute gilt, wer sich in den letzten Monaten noch nicht bewegt hat, ist bereits deutlich ins Hintertreffen geraten! Unternehmen, die heute noch nicht auf digitale Kommunikation mit Kunden, Partnern und intern umgestiegen sind, verlieren den Zugang zur neuen Realität. Nicht aussitzen – anpacken! Unternehmen können sich in erstaunlicher Weise ändern. Das wissen wir aus jahrelanger Erfahrung im deutschen Mittelstand. Aber wir wissen auch, dass es eine neue Geschwindigkeit braucht. Bis 2025 ist nicht mehr viel Zeit, deshalb machen wir Unternehmen Beine bei ihrem Wandel. Wir treiben und spornen an. Denn die großen Shifts nehmen keine Rücksicht und sie warten nicht auf die Zögerlichen. Deshalb rufen wir auf zur Transformationsrevolution!