Überblick
Das Collective Notebook, auch als kollektives Notizbuch bekannt, ist eine Kreativitätstechnik zur asynchronen und ortsunabhängigen Ideengenerierung in einer Gruppe. Die Methode basiert auf dem Prinzip, dass die Teilnehmer über einen definierten Zeitraum hinweg ihre Gedanken und Einfälle zu einer zentralen Fragestellung individuell in einem Notizbuch festhalten.
Der Zweck der Methode ist es, die Vorteile der stillen, individuellen Reflexion mit der Kraft der Gruppendynamik zu verbinden. Sie ermöglicht es, spontane Ideen, die oft im Alltag entstehen, systematisch zu erfassen und zu einem späteren Zeitpunkt gemeinsam auszuwerten. Dadurch werden dominante Meinungen und die gegenseitige Beeinflussung, wie sie in klassischen Brainstorming-Sitzungen auftreten können, vermieden.
Die Methode wurde ursprünglich in den 1960er Jahren von John W. Haefele beschrieben und gehört zur Familie der Brainwriting-Techniken. Sie unterscheidet sich von anderen Methoden wie dem 6-3-5-Brainwriting hauptsächlich durch den längeren, asynchronen Sammelzeitraum von mehreren Tagen oder Wochen.
Konzept
Der Prozess des Collective Notebook gliedert sich in drei Hauptphasen:
- Vorbereitungsphase: Zunächst wird eine klare und präzise Problem- oder Fragestellung formuliert. Diese bildet den Fokus für die gesamte Ideensammlung. Jeder Teilnehmer erhält ein Notizbuch (physisch oder digital) und ein detailliertes Briefing, das die Aufgabenstellung, den Zeitrahmen (typischerweise zwei bis vier Wochen) und die formalen Anforderungen an die Einträge erläutert.
- Individuelle Sammelphase: In dieser Phase tragen die Teilnehmer ihre Notizbücher stets bei sich, um spontane Ideen, Beobachtungen, Skizzen oder Lösungsansätze zur Fragestellung festzuhalten. Die Regelmäßigkeit der Einträge ist entscheidend für den Erfolg. Diese Phase nutzt die sogenannte Inkubationszeit – die unbewusste Verarbeitung von Informationen im Gehirn –, die oft zu unerwarteten und kreativen Einfällen führt. Die Ideen werden ohne Selbstzensur oder Bewertung notiert.
- Gemeinsame Auswertungsphase: Nach Ablauf des Sammelzeitraums werden alle Notizbücher von einem Moderator eingesammelt. Die gesammelten Ideen werden zusammengetragen, aufbereitet und strukturiert. Doppelte Nennungen werden zusammengefasst und die Ideen thematisch geclustert. Anschließend bewertet und diskutiert die Gruppe die gesammelten Einfälle, entwickelt sie weiter und leitet konkrete Maßnahmen oder nächste Schritte ab.
Eine bekannte Variante der Methode sieht vor, dass die Notizbücher nach der Hälfte der Zeit unter den Teilnehmern getauscht werden, um sich gegenseitig zu inspirieren und die Ideen der anderen weiterzuentwickeln.
Mehrwert
Der größte Mehrwert des Collective Notebooks für Unternehmen liegt in der Generierung einer breiten und vielfältigen Ideenbasis. Da die Teilnehmer unabhängig voneinander arbeiten, werden auch introvertierte oder zurückhaltende Mitarbeiter ermutigt, ihre Perspektiven gleichberechtigt einzubringen. Dies führt zu einer höheren Qualität und Originalität der Ergebnisse.
Die Methode ist besonders gut für komplexe Problemstellungen geeignet, die eine längere Auseinandersetzung und die Nutzung von unbewussten Denkprozessen erfordern. Ferner fördert sie eine Kultur der kontinuierlichen Auseinandersetzung mit strategischen Fragen und stärkt das kreative Potential im gesamten Team.
Für die Teilnehmer bietet die Methode den Vorteil, dass sie ihre Ideen in ihrem eigenen Rhythmus und in einer für sie passenden Umgebung entwickeln können. Dies reduziert den Druck, der in Live-Workshops entstehen kann, und ermöglicht eine tiefere und durchdachtere Ideengenerierung. Unternehmen können so auf ein breiteres Spektrum an durchdachten Lösungen zugreifen, die über oberflächliche Brainstorming-Ergebnisse hinausgehen.